Insektenhotel - Wie man es Nützlingen heimisch macht

Viele Insekten will man im Garten haben. So wie man Schädlinge rauswerfen möchte, muss man Nützlinge reinziehen können.

March 1, 2020
Kategorie
Balkon und Garten


Insektenhotels gibt es in vielen verschiedenen Formen und Materialien. Es bietet den kleinen Tieren einen geschützten Brut- und Wohnplatz, oft auf dem Balkon. Das Tolle an Insektenhotels ist, dass nicht nur die Tierchen davon profitieren: auch wir Menschen und insbesondere die Gärtner unter uns profitieren stark davon. Denn so locken wir eine Vielzahl an Nützlingen in unseren Garten, welche als natürliche Schädlingsbekämpfer und fleißige Bestäubungshelfer unseres Gartens und umliegenden Blüten dienen. Also ab ans Insektenhotel!

Wer wohnt im Insektenhotel?

Florfliege

Florfliegen oder auch «Blattlauslöwen» genannt, ernähren sich ausschließlich von Blattläusen. Daher sind sie bei Gärtnern besonders beliebt und eine Nisthilfe für sie so lohnenswert.
Da Florfliegen die Farbe Rot besonders gern anfliegen, empfehlen wir einen roten Anstrich des Insektenhotels.

Schmetterling

Schmetterlinge verfallen im Winter in eine Winterstarre. Ein Insektenhotel bietet den schönen und nützlichen Faltern daher ein optimales Heim eine freundliche Nisthilfe für den Winter und wir erfreuen uns im Frühjahr und Sommer über viele Schmetterlinge.

Marienkäfer
Ein gern gesehener Gast im eigenen Garten und damit auch in Insektenhotels, da er neben dem versprochenen Glücksbringer auch ein nützliches Insekt ist. Neben Läusen und Spinnmilben ernähren sie sich in freier Natur auch von bestimmten Pilzen auf den Pflanzen und tragen damit zu einem gesunden Garten bei.

Wildbiene

Von den weltweit über 17.000 Wildbienenarten leben über 600 auch in Deutschland. Sie sorgen für einen Großteil der Bestäubung unserer Wild- und Kulturpflanzen und sollten daher beim Bauen von Nisthilfen nicht übersehen werden.
Durch intensive Landwirtschaft und Zersiedelung nimmt die Problematik der schwindenden Biodiversität dramatisch zu. Darunter leiden auch Wildbienen. So hat sich ihr Lebensraum massiv verkleinert, geeignete Nistplätze wurden von uns Menschen selbst besiedelt und das Nahrungsangebot wurde eingeschränkt.
Mit nur wenig Aufwand kannst du den wichtigen Helfern eine große Freude bereiten und ihnen mithilfe eines Insektenhotels ein Nistplatz bieten.
Und keine Sorge: diese Hotels dürfen auch in Corona Zeiten betrieben werden.

Standortwahl und Zeitpunkt

Grundsätzlich gibt es keinen falschen Zeitpunkt für die Aufstellung eines Insektenhotels. Im Winter bietet es Unterschlupf, im Sommer ein Zuhause in dem Nachkommen aufgezogen werden können. Möchte man es als Start in eine neue Gartensaison aufstellen, eignet sich der März jedoch besonders gut.
Insekten bevorzugen warme Sonnenstrahlen. Daher sollte das Insektenhotel in südlicher Ausrichtung an einem sonnigen, geschützten und trockenen Ort aufgestellt werden.
Ein weiterer Grund für die südliche Ausrichtung ist die Larvenentwicklung. Damit sie im Frühling schlüpfen können, brauchen sie viel Wärme und Sonne.
Damit das Häuschen möglichst vielen Sonnenstunden ausgeliefert ist, ist ein Platz unter dem Balkon nicht immer ideal, da dieser womöglich viel Schatten spendet.
Eine Ausrichtung gegen Nord-Westen sollte unbedingt vermieden werden, da aus dieser Himmelsrichtung meist der Wind bläst und das Haus mehr Regen ausgesetzt ist. Dies erschwert den Insekten die Einflugschneise und dauerhafter Regen und Feuchtigkeit lässt die Eier und das Füllmaterial schimmeln wenn der Regen durch die Löcher hereinkommt.

Als Witterungsschutz können hier Rückwände und stärker ausgeprägte Dachkonstruktionen dienen. Ein spezieller Winterschutz ist nicht notwendig, da die Bewohner von Natur aus bereits bestens für den Winter ausgerüstet sind. Unter keinen Umständen sollte das Haus im Winter ins Warme geholt werden, da dies den Biorhythmus der Insekten stören würde. Damit anfallendes Wasser gut ablaufen kann und es zu keiner Staunässe kommt, sollte das Hotel immer leicht nach vorn gekippt aufgestellt/ angebracht werden.
Damit es keine Feuchtigkeit aus dem Boden zieht, sollte das Insektenhotel mindestens einen halben Meter über der Erde angebracht werden. Eine Erhöhung schützt nebenbei auch vor Haustieren und Kleinkindern.

Eine geeignete Umgebung für das Insektenhotel bieten blütenreiche Pflanzen und Bäume, um eine optimale Nahrungsaufnahme zu gewährleisten. Für Schmetterlinge und Schwebfliegen eignen sich Flieder und Holunder in unmittelbarer Nähe, für Hummeln Akelei, Wiesensalbei und die Wilde Malve und für die Wildbienen sämtliche Obstbäume, sowie Efeu und Klee. Auch die richtigen Kräuter können Nisthilfen bieten.
Ein Aufstellen des Hotels in der Nähe dieser Pflanzen hilft dabei sowohl den Insekten, aber auch den Pflanzen, da durch den stärkeren Insektenumtrieb mehr bestäubt wird und es zu einer satteren Ernte kommt.
Eine Gefahr für die Menschen stellen die Bewohner meist nicht dar, sodass es problemlos in im Garten oder Balkon aufgestellt werden kann. Im Gegenteil – die Nähe zu den Menschen hält Vögel fern, welche eine unmittelbare Gefahr für unsere Nützlinge sind. Ist das Vogelvorkommen sehr hoch, kann mit Netzen, Hasendraht oder Aufklebern mit Vögeln als Schutzmaßnahme nachgeholfen werden. Ist das Hotel aufgestellt und besiedelt, sollte ein Umzug vermieden werden.

Je nachdem wie viel Zeit und handwerkliches Geschick du mitbringst, kannst du entweder vorgefertigte Insektenhotels kaufen oder ein Eigenes bauen.
Tolle Hotels zum Kaufen findest du zum Beispiel auf Amazon. Auch das BeeHome von Do it + Garden für günstige 23 Euro können wir mit gutem Gewissen weiterempfehlen.

DIY – Bienenhaus

Eine Anleitung zum eigenen Bienenhaus haben wir hier für dich:

Material:

(Wein-) Kiste
Pappelholz
Bambusrohre
Ton (lufttrocknend)
Heißleim
Brandmalkolben
Laubsäge
Nägel und Hammer
Schmirgelpapier
Holzsockel

Anleitung:

Die Grundlage für unser Hotel bildet eine leere Kiste. Wir haben eine alte Weinkiste verwendet. Habt ihr keine leere Kiste zur Hand, werdet ihr auf Amazon schnell fündig oder baut euch euren individuellen Vorstellungen beruhende eigene Holzkiste. Wichtig dabei ist, dass die Kiste mit keiner Lasur beschichtet ist. Durch entstehende Feuchtigkeit kann sich darunter Schimmel oder Pilze bilden, welche sehr schädlich für unsere Wildbienen wären. Je nach Standort des Hotels kann dieses aber durch ein PET-Dach oder Pappelholzvordach geschützt werden. Möchtest du Aluminiumbüchsen als Gehäuse verwenden muss ein trockener und schattiger Standort gewährleistet werden, da diese sich ansonsten stark aufheizen, rosten und gar anfangen zu schimmeln.

Die Wildbienen legen sogenannte Liniennester an. AM liebsten ziehen sie ihren Nachwuchs in bereits vorhandenen Röhren und Hohlräumen an. In der freien Natur sind das Bäume, Schilfrohre oder verlassene Käferfrassgänge. Wie auch wir Menschen, haben Bienen individuelle Vorlieben, was das Material ihres Schlafgemaches angeht. Um möglichst vielen Arten und Vorlieben gerecht zu werden, empfehlen, beim Einrichten unseres Bienenhäuschens, möglichst viele verschiedene Materialien als Nisthilfen zu verwenden.

Arbeitet ihr mit Bambusröhrchen solltet ihr beim Zuschneiden darauf achten, dass ihr immer nach einem Pflanzenknoten sägt. Dies bietet den Bienen eine Art Rückwand und vermittelt ihnen ein Gefühl von Schutz und Geborgenheit. Zum Schneiden eignen sich sowohl einfache Sägen als auch Laubsägen.
Um Verstopfungen in den Röhren zu vermeiden, sollten diese nach dem Schneiden gut gesäubert werden. Hierfür eignen sich Pfeiffenrohrputzer oder auch der Holzbohraufsatz. Auch Ton eignet sich als hervorragende Nisthilfe. Dazu einfach einen Block Ton beliebig zuschneiden und mit geeignetem Tonwerkzeug saubere Löcher bohren. Diese sollten eine Größe von etwa 8 bis 10 Zentimeter Länge und 5 bis 10 Millimeter Durchmesser haben. Auch hier sollte ein Durchbohren der Wand vermieden werden, um die beliebte Rückwand ohne Löcher zu gewährleisten.

Bei der Verwendung von Holz, sollte man darauf achten, dass man ausgetrocknetes Hartholz verwendet. Der Grund hierfür ist, dass Nadelholz oder andere weiche Holzarten zwar toll aussehen, jedoch nach der Trocknung zu einer Holzfaseraufrichtung neigen, was den Durchgang später für die Bienen erschwert oder ganz unmöglich macht. Geeignete Holzarten für Nisthilfen sind alle Laubbaumarten wie Ahorn, Esche, Buche, Eiche und Linde. Um auch hier eine Aufspaltung zu vermeiden, sollte bei der Bohrung darauf geachtet werden, dass man nicht in die Jahresringe bohrt. Daher raten wir zu Längs- statt Stirnholz. Ähnlich wie beim Ton sollten die Gänge eine Tiefe von 5 bis 10 Zentimeter und einen Durchmesser von 3 bis 11 Millimeter haben. Gleiches gilt für die Rückwandsicherung.

Unser Experten-Geheim-Tipp:

Verwende zum Bohren einen neuen, ungebrauchten Bohraufsatz. Dadurch bleiben die Löcher am saubersten und das einfache Aussaugen der Späne mit einem Staubsauger reicht zur Nachbehandlung.

Was ihr nicht tun solltet:
  • Keine Tannenzapfen, Stroh oder ähnliches Material verwenden, da dies Ohrengrübler anziehen kann, welche die Pollen der Wildbienen verspeisen.
  • Keine Röhrchen aus Plastik verwenden! Feuchtigkeit kann hier nicht entweichen und es kann zu Schimmel und Pilzerkrankungen kommen.
  • Das Bienenhaus im Winter auf keinen Fall ins Haus nehmen, da die Bienen die Kälte brauchen, um später schlüpfen zu können.
  • Bienenhaus nicht reinigen und auf die Natur vertrauen! Die Verstopfungen dürfen keineswegs entfernt werden, da die Jungtiere hinter diesen etwa 1 Jahr lang hausen und wachsen.
  • Bienenhaus nicht der Witterung aussetzen, da auch hier die Feuchtigkeit eine Gefahr für Pilzerkrankungen stellt.

Wir hoffen, dass wir dir alle Fragen zum Thema Insektenhotel beantworten konnten und wünschen dir viel Spaß beim Aufstellen, Nachbauen und Beobachten deines Insektenhotels!

Wie du Bienen in deinen Garten locken kannst, erfährst du in unserem Artikel zu den 10 bienenfreundlichsten Pflanzen.

Clara

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